Zwischen Monument und Alltag – Mit der Eisenbahn durch Nordkorea

  • 02.03.2026

Reiseabenteuer Nordkorea
Interview: Florian Schmidt

Nordkorea ist für viele ein fernes Schlagwort – politisch aufgeladen, medial zugespitzt, schwer greifbar. Für Eisenbahnfreunde hingegen ist das abgeschottete Land weit mehr: ein Sehnsuchtsort, ein technisches Relikt vergangener Jahrzehnte, ein System jenseits globaler Standardisierung.

Der in Asien lebende Eisenbahnexperte Florian Schmidt hatte die seltene Gelegenheit, Nordkorea mehrfach zu bereisen. Was ursprünglich als berufliche Mission begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise auf Schienen – zwischen monumentalen Bahnhöfen, improvisierter Technik, kontrollierten Kulissen und persönlichen Begegnungen.

In seinem neuen Buch „Reiseabenteuer Nordkorea“, dokumentiert er diese Reisen mit eindrucksvollen Fotografien und reflektierten Beobachtungen. Im Gespräch erzählt er von weißen Landkarten, sensiblen Fotomomenten, der legendären „Roten Fahne“ – und von den Grautönen zwischen Inszenierung und Alltag.

Der Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines SohnesDer Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines Sohnes
Der Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines Sohnes

Herr Schmidt, erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Nordkorea für Sie vom Mythos zur realen Möglichkeit wurde?

„Mythos“ trifft es nicht ganz. Nordkorea war vielmehr eine Art weiße Fläche, eine terra incognita. Und was wir nicht kennen, füllen wir mit Geschichten, Projektionen oder auch mit Ängsten. Das passiert bis heute, wenn – auch hierzulande - im Zusammenhang mit Nordkorea fast ausschließlich über Bedrohungen berichtet wird. Der Moment, in dem aus diesen Abstraktionen eine konkrete Reise wurde, war dann erstaunlich unspektakulär: Das genuine Interesse seitens des Generalkonsulates in Hong Kong an dem Versuch ein Umschuldungsabkommen mit Nordkoreas Gläubigern zu verhandeln, und plötzlich stand ein Visum im Raum. 

Sie beschreiben Ihre erste Berührung mit Nordkorea bereits 1986 – was hat Sie damals besonders fasziniert?
Das war die Basketball-Nationalmannschaft auf der Transsibirischen Eisenbahn. Komplett abgeschottet von den anderen Reisenden, selbst von den befreundeten Sowjets. Es ist eben diese konsequente Distanz, welche die oben erwähnten Geschichten, Projektionen und Ängste erst ermöglicht. Unser Gehirn ist ja darauf programmiert Informationslücken zu schließen: Verschlossene Türen wirken wie eine Einladung. Und beim Lösen von Geheimnissen wird Dopamin ausgeschüttet. So erklärt sich ein Teil der Faszination Nordkorea ganz nüchtern neurobiologisch. Dabei wäre das Land mit mehr Offenheit immer noch hochinteressant, historisch, kulturell und gesellschaftlich. Warum Touristen etwa der Besuch freier Märkte, auf denen es erstaunlich viel zu kaufen gibt, meist verwehrt wird, habe ich nie verstanden.

Was hat Sie persönlich mehr gereizt: das Land selbst oder seine Eisenbahn?
Der Einstieg war tatsächlich das Hobby Eisenbahn. Aber schnell wurde klar, dass die Eisenbahn in Nordkorea eben kein bloßes Transportmittel ist. Sie ist ein Spiegel des Systems. Schlussendlich war es das Zusammenspiel aus Technik, Geschichte, Gesellschaft und Ideologie, das mich angezogen hat

Ihre erste Reise entstand im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit zur Restrukturierung von Staatsschulden – wann wurde daraus ein echtes Reiseabenteuer?
Die erste Reise, welche mich zur Außenhandelsbank der KDVR führte, war ja nur der Vorspann, dem dann weitere Reisen folgten. Die Banker haben uns ihr Land gezeigt und waren ganz hervorragende Gastgeber.  Wir fühlten uns wie in Abrahams Schoss, und es fühlte sich ganz und gar nicht abenteuerlich an. Vielmehr erstaunte mich die Professionalität und das Kapitalmarkt-Wissen, mit dem das Management der Bank in die Gespräche gingen. Wir wurden auch gefragt, ob wir Seminare über die internationalen Kredit- und Kapitalmärkte halten könnten. Neugierde und Lerneifer sind bei den Nordkoreanern riesig groß. Mit entsprechender Einstellung führt dies zu hochinteressanten Informationsaustauschen. Die Abenteuer fingen immer erst damit an, wenn der offizielle Rahmen verschoben wurde, sei es ein sensibler Fotostandpunkt, eine besondere Streckenführung, oder ein Gespräch abseits der Routine. Abenteuer bedeutet nicht zwingend Gefahr - sondern Unsicherheit, bisweilen auch das Gefühl, Neuland zu betreten – mental wie kulturell oder geografisch.  

Gab es einen Moment, in dem Sie gezweifelt haben, ob diese Reise wirklich stattfinden würde?
Mit politischen Spannungen, bürokratischen Hürden, kurzfristigen Planänderungen ist immer zu rechnen. All das gehört zu Reisen in ein Land wie Nordkorea. Man lernt schnell. Planung ist relativ, Flexibilität und Geduld hingegen essenziell.

Warum gilt Nordkorea unter Eisenbahnfreunden als nahezu unerreichbarer Sehnsuchtsort?
Das bereits angesprochene „Geheimnisvolle“ spielt da natürlich eine Rolle. Außerdem sind wir ja alle auch „Jäger und Sammler“, und eine nordkoreanische Lokomotive in seinem eigenen Archiv zu haben ist eine Trophäe. Nordkorea hat ein einzigartiges Eisenbahnsystem. Historische Einflüsse aus Japan, der Sowjetunion und eigene Produktion existieren nebeneinander. Die Zeit scheint irgendwann in den 60er Jahren stehengeblieben zu sein, und machte dieses System zu einem technischen Biotop jenseits globaler Standardisierung. 

 Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. das Kollektiv steht ueber dem Individuum    Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. das Kollektiv steht ueber dem Individuum
Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. das Kollektiv steht ueber dem Individuum

Was unterscheidet die nordkoreanische Eisenbahnwelt technisch und atmosphärisch von anderen Ländern Asiens?
Technisch ist sie heterogen und improvisationsstark. Materialknappheit erzwingt Kreativität.  Auf der „Kukchol“ verkehren mit Umformern und Vorwiderständen umgerüstete Ostberliner U-Bahnzüge. Außerdem gibt es jede Menge zusammengebastelte Unikate. Nordkoreas Bahnhöfe sind eine Mischung aus sozialistischem Pathos und – außerhalb von Pyongyang  - ziemlich harten Realitäten. In der Hauptstadt wirkt der Bahnhof wie Bühne und Kulisse. Auf dem Lande sieht es anders aus: Viele Stationen sind klein, durchaus funktional, aber oft auch stark heruntergekommen. Sie sind in den kalten Wintern kaum beheizt, Wartezeiten können sehr lang werden, wenn Züge ausfallen. Hinzu kommt, dass Reisen in Nordkorea kein selbstverständlicher Akt ist, es braucht Genehmigungen. Ein Bahnhof ist also auch Kontrollort und nicht nur Transitort. 

Sie beschreiben die Lokomotive „Rote Fahne“ als Stolz des Landes – welche Bedeutung haben solche Maschinen im nationalen Selbstverständnis?
Die „Rote Fahne“ ist das Symbol für Selbstständigkeit und industrielle Eigenleistung. In einem Land, das im Rahmen seiner „Chuche“-Ideologie stark auf Autarkie setzt, werden solche Maschinen zu Identitätsträgern. Die „Rote Fahne“ ist also gewissermaßen die materialisierte Staatsdoktrin. 

Welcher Bahnhof ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Da muss ich wohl den Hauptbahnhof Pyongyang nennen. Monumentalität, inszeniert, symbolisch aufgeladen – und zugleich voller ganz normaler Alltagsgesichter. Diese Gleichzeitigkeit bleibt.

Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier. Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier.
Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier.

Wie viel Bewegungsfreiheit hatten Sie beim Fotografieren und Dokumentieren?
Fotografie ist in Nordkorea immer politisch. Ein Foto ist nicht nur Erinnerung, sondern es ist eine Darstellung. Und Darstellung ist kontrolliert. Das Fotografieren von Bahnanlagen ist dabei dann nochmal eine ganz andere Liga als etwa Touristenfotos von Monumenten. Die Eisenbahn wird stark vom Militär genutzt, sie ist wirtschaftlich von zentraler Bedeutung - und ist mithin hochgradig sicherheitsrelevant. Vieles hängt natürlich vom Verhältnis zu den Begleitern ab. Wer sie als Partner sieht und echtes Interesse zeigt, bekommt selbstverständlich mehr zu sehen und zu fotografieren, als jemand, der nur die Bestätigung eigener Vorurteile sucht.

Gab es Momente, in denen Sie gespürt haben, dass Sie etwas sehen durften, das nur sehr wenige Menschen je zu Gesicht bekommen?
Mehrere. Bei meiner zweiten Reise nach Nordkorea wurde mir im Jahre 2002, nach dem Konsum ungesunder Mengen Soju mit dem Depotchef, spontan ein Besuch und das Fotografieren im Dampflokdepot Cholgwang bewilligt. Während einer späteren Reise wurde ich über freie Märkte geführt. Einmal saßen wir spätabends in Wonsan am Pier und aßen frische Garnelen mit Einheimischen. All dies mag banal klingen. In Nordkorea ist es etwas alles andere als selbstverständlich.    

Nordkorea gilt als eines der abgeschottetsten Länder der Welt. Wie haben Sie die Atmosphäre vor Ort erlebt?
Kontrolliert, ja – aber nicht permanent angespannt. Es gibt die offizielle, stark strukturierte Ebene. Und darunter eine leise Alltagsebene, in der Menschen lachen, diskutieren, warten, arbeiten. Das eine schließt das andere nicht aus.

Wie authentisch kann eine Reise in einem so stark kontrollierten System überhaupt sein?
In Nordkorea ist vieles kuratiert. Aber auch mit diesen gesetzten Rahmenbedingungen lassen sich echte Eindrücke gewinnen – sofern man aufmerksam beobachtet und nicht vorschnell urteilt. Authentizität entsteht ja nicht nur durch totale Bewegungsfreiheit.

Gab es Begegnungen mit Menschen, die Sie besonders berührt haben?
Immer wieder die Gespräche mit Su Yong, einem großartigen Organisator, der über zahlreiche Reisen zu einem Freund geworden war. Abends am Taedong-Fluss sprachen wir sehr oft offen. Ich habe aus solch persönlichen Perspektiven viel gelernt. Auch die Gespräche mit den hart arbeitenden Eisenbahnern beeindruckten mich. Fachliche Leidenschaft überwindet politische Systeme erstaunlich schnell.

Wie geht man als Beobachter damit um, wenn Inszenierung und Realität nebeneinander existieren?
Indem man beides anerkennt. Die Inszenierung ist Teil der Realität. Gleichzeitig existiert darunter ein Alltag, der weniger spektakulär aber ebenso wahr ist.

Hat sich Ihr Blick auf das Land im Laufe Ihrer mehreren Reisen verändert?
Definitiv. Am Anfang stand Neugier, später Differenzierung. Mit jeder Reise wird der Blick präziser – und das Urteil vorsichtiger. 

Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.
Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.

Ihre Fotos sind ein zentraler Bestandteil des Buches – nach welchen Motiven haben Sie gesucht?
Meine Fotografie in Reiseabenteuer Nordkorea ist nicht darauf ausgerichtet, das Spektakuläre oder Sensationelle zu zeigen. Mich interessierten vor allem die Zwischentöne – der Alltag hinter den großen Inszenierungen.

Natürlich gehören Monumente, die “Arirang” Choreographien und die sozialistische Architektur und allgegenwärtige Propaganda zum visuellen Erscheinungsbild Nordkoreas. Aber ich habe bewusst nach Momenten gesucht, die Menschlichkeit zeigen: ein Lächeln, spielende Kinder in Cholgwang, Arbeiter, stille Landschaften außerhalb von Pjöngjang.

Ich wollte Bilder einfangen, die Fragen stellen, statt fertige Antworten zu liefern. Fotos und Texte, die nicht nur ein politisches System dokumentieren, sondern auch Begegnungen und Eindrücke transportieren. Mein Ziel war es, Komplexität sichtbar zu machen – jenseits der gängigen Klischees.

Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.
Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.

Gibt es ein Bild im Buch, das für Sie persönlich die Essenz Ihrer Nordkorea-Reisen einfängt?
Ja, es gibt ein Bild, das für mich sinnbildlich für die Reisen steht: Eine scheinbar alltägliche Szene auf Seite 16 – Zwei Frauen, die Ihre Fahrraeder über einen Zebrastreifen schieben. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.

Dieses Spannungsfeld zwischen Normalität und Inszenierung hat mich während aller Reisen begleitet. Nordkorea ist ein Land der großen Bilder – aber es sind oft die leisen Momente, die am meisten erzählen. Für mich steht dieses Foto für genau diese Dualität: die Gleichzeitigkeit von Individualität und System, von Nähe und Distanz, von Offenheit im persönlichen Gespräch und klar gesetzten Grenzen im öffentlichen Raum.

Mussten Sie bei der Veröffentlichung besondere Sensibilitäten beachten?
Unbedingt. Bei einem Land wie Nordkorea ist Sensibilität unerlässlich – nicht zuletzt aus ethischer Verantwortung.

Mir war wichtig, weder zu romantisieren noch zu dämonisieren. Nordkorea polarisiert stark; mein Anspruch war jedoch, differenziert zu berichten. Ich verstehe das Buch nicht als politische Anklage oder Verteidigung, sondern als persönliche Reiseerzählung, die Begegnungen dokumentiert und Kontext liefert. Es soll zum Nachdenken anregen – nicht vorschnelle Urteile verstärken.

Was war Ihnen beim Schreiben dieses Buches besonders wichtig?
Differenzierung. Es war mir ein zentrales Anliegen, Nordkorea nicht auf Schlagzeilen zu reduzieren. International wird das Land häufig entweder als reine Bedrohung oder als skurrile Kuriosität wahrgenommen. Beides greift zu kurz.

Nordkorea ist ein reales Land mit einer langen, vielschichtigen und oft tragischen Geschichte. Es verfügt über kulturelle Traditionen, gesellschaftliche Strukturen und Menschen mit individuellen Lebensrealitäten. Diese Komplexität sichtbar zu machen, ohne zu vereinfachen oder zu polarisieren, war mir beim Schreiben besonders wichtig.

Ich wollte weder verharmlosen noch dramatisieren – sondern ein differenziertes Bild zeichnen, das Raum für eigene Gedanken lässt.

Ist „Reiseabenteuer Nordkorea“ eher ein Eisenbahnbuch, ein Reisebericht oder ein politisches Zeitdokument?
Im Idealfall ist es alles drei. Die Eisenbahn bildet natuerlich den roten Faden des Buches. Auf Schienen bewegt man sich in Nordkorea langsam – und genau diese Langsamkeit ermöglicht Beobachtung. Gleichzeitig führt dieser rote Faden durch politische Realitäten, gesellschaftliche Strukturen und historische Hintergründe. Wer durch ein Land reist, begegnet zwangsläufig seiner Zeitgeschichte.

Das Buch ist daher ein Reisebericht mit technischen und eisenbahnhistorischen Aspekten, zugleich aber auch ein persönliches Zeitdokument über Begegnungen in einem Land, das nur selten aus unmittelbarer Erfahrung beschrieben wird.

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben – für Eisenbahnexperten oder für neugierige Weltreisende?
Für beide. Eisenbahnfreunde finden detaillierte Einblicke in die Geschichte, Fahrzuege und Strecken. Genauso richtet es sich an neugierige Leserinnen und Leser, die bereit sind, jenseits gängiger Narrative zu schauen und sich auf Zwischentöne einzulassen. Wer sich für Reisen, Geschichte und gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert, wird ebenso angesprochen. Die Eisenbahn ist das verbindende Element –im Mittelpunkt stehen jedoch immer die Eindrücke, Beobachtungen und Begegnungen.

Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking  Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking
Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking

Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre mitnehmen?
Neugier ohne Naivität, Interesse ohne Verklärung. Vielleicht auch Innehalten gegenüber schnellen Urteilen. Die Welt ist selten so eindeutig, wie sie in Schlagzeilen erscheint. Wer sich auf Reisen begibt – geografisch wie gedanklich – entdeckt oft Grautöne zwischen Schwarz und Weiß.

Wenn Leserinnen und Leser das Buch schliessen und sagen: „So habe ich das noch nicht betrachtet“, dann hat es seinen Zweck erfüllt. Und vielleicht entsteht auch die Erkenntnis, dass Neugier, Respekt und genaue Beobachtung wertvollere Begleiter sind als vorschnelle Bewertungen.

Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen  Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen
Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen

Würden Sie wieder nach Nordkorea reisen?

Ja – unter bestimmten Voraussetzungen würde ich das. Nicht aus Sensationslust und auch nicht, um Bekanntes zu wiederholen, sondern aus dem Wunsch heraus, Entwicklungen zu beobachten. Länder verändern sich, selbst solche, die nach außen hin statisch wirken. Mich würde interessieren, was geblieben ist, was sich verschoben hat – atmosphärisch, gesellschaftlich, im Alltag.

Gleichzeitig ist eine Reise nach Nordkorea nie eine rein touristische Entscheidung. Man bewegt sich in einem politisch sensiblen Umfeld und trägt Verantwortung – gegenüber sich selbst und gegenüber den Menschen, denen man begegnet.

Wenn Sie Nordkorea in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?
Diszipliniert. Widersprüchlich. Still 

Am Ende bleibt kein lautes Urteil, sondern ein leiser Nachhall. Florian Schmidt beschreibt Nordkorea als „diszipliniert, widersprüchlich, still“ – drei Worte, die weniger erklären als vielmehr Raum lassen.

„Reiseabenteuer Nordkorea“ ist deshalb mehr als ein Eisenbahnbuch. Es ist eine Einladung zur differenzierten Betrachtung. Eine Erinnerung daran, dass Reisen nicht nur geografische Bewegung bedeutet, sondern auch gedankliche. Zwischen Schlagzeilen und Wirklichkeit, zwischen System und Mensch, zwischen Monumentalität und leisen Alltagsmomenten verlaufen oft unsichtbare Gleise.

Wer bereit ist, ihnen zu folgen, entdeckt nicht nur ein verborgenes Eisenbahnsystem – sondern auch neue Perspektiven.

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