Zwischen Monument und Alltag – Mit der Eisenbahn durch Nordkorea

  • 02.03.2026

Reiseabenteuer Nordkorea
Interview: Florian Schmidt

Nordkorea ist für viele ein fernes Schlagwort – politisch aufgeladen, medial zugespitzt, schwer greifbar. Für Eisenbahnfreunde hingegen ist das abgeschottete Land weit mehr: ein Sehnsuchtsort, ein technisches Relikt vergangener Jahrzehnte, ein System jenseits globaler Standardisierung.

Der in Asien lebende Eisenbahnexperte Florian Schmidt hatte die seltene Gelegenheit, Nordkorea mehrfach zu bereisen. Was ursprünglich als berufliche Mission begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise auf Schienen – zwischen monumentalen Bahnhöfen, improvisierter Technik, kontrollierten Kulissen und persönlichen Begegnungen.

In seinem neuen Buch „Reiseabenteuer Nordkorea“, dokumentiert er diese Reisen mit eindrucksvollen Fotografien und reflektierten Beobachtungen. Im Gespräch erzählt er von weißen Landkarten, sensiblen Fotomomenten, der legendären „Roten Fahne“ – und von den Grautönen zwischen Inszenierung und Alltag.

Der Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines SohnesDer Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines Sohnes
Der Autor mit Reiseleiterin in der »Stadt des Eisens«, Chongjin, unter den auch im Winter stets wachsamen Blicken des Staatsgründers und seines Sohnes

Herr Schmidt, erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Nordkorea für Sie vom Mythos zur realen Möglichkeit wurde?

„Mythos“ trifft es nicht ganz. Nordkorea war vielmehr eine Art weiße Fläche, eine terra incognita. Und was wir nicht kennen, füllen wir mit Geschichten, Projektionen oder auch mit Ängsten. Das passiert bis heute, wenn – auch hierzulande - im Zusammenhang mit Nordkorea fast ausschließlich über Bedrohungen berichtet wird. Der Moment, in dem aus diesen Abstraktionen eine konkrete Reise wurde, war dann erstaunlich unspektakulär: Das genuine Interesse seitens des Generalkonsulates in Hong Kong an dem Versuch ein Umschuldungsabkommen mit Nordkoreas Gläubigern zu verhandeln, und plötzlich stand ein Visum im Raum. 

Sie beschreiben Ihre erste Berührung mit Nordkorea bereits 1986 – was hat Sie damals besonders fasziniert?
Das war die Basketball-Nationalmannschaft auf der Transsibirischen Eisenbahn. Komplett abgeschottet von den anderen Reisenden, selbst von den befreundeten Sowjets. Es ist eben diese konsequente Distanz, welche die oben erwähnten Geschichten, Projektionen und Ängste erst ermöglicht. Unser Gehirn ist ja darauf programmiert Informationslücken zu schließen: Verschlossene Türen wirken wie eine Einladung. Und beim Lösen von Geheimnissen wird Dopamin ausgeschüttet. So erklärt sich ein Teil der Faszination Nordkorea ganz nüchtern neurobiologisch. Dabei wäre das Land mit mehr Offenheit immer noch hochinteressant, historisch, kulturell und gesellschaftlich. Warum Touristen etwa der Besuch freier Märkte, auf denen es erstaunlich viel zu kaufen gibt, meist verwehrt wird, habe ich nie verstanden.

Was hat Sie persönlich mehr gereizt: das Land selbst oder seine Eisenbahn?
Der Einstieg war tatsächlich das Hobby Eisenbahn. Aber schnell wurde klar, dass die Eisenbahn in Nordkorea eben kein bloßes Transportmittel ist. Sie ist ein Spiegel des Systems. Schlussendlich war es das Zusammenspiel aus Technik, Geschichte, Gesellschaft und Ideologie, das mich angezogen hat

Ihre erste Reise entstand im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit zur Restrukturierung von Staatsschulden – wann wurde daraus ein echtes Reiseabenteuer?
Die erste Reise, welche mich zur Außenhandelsbank der KDVR führte, war ja nur der Vorspann, dem dann weitere Reisen folgten. Die Banker haben uns ihr Land gezeigt und waren ganz hervorragende Gastgeber.  Wir fühlten uns wie in Abrahams Schoss, und es fühlte sich ganz und gar nicht abenteuerlich an. Vielmehr erstaunte mich die Professionalität und das Kapitalmarkt-Wissen, mit dem das Management der Bank in die Gespräche gingen. Wir wurden auch gefragt, ob wir Seminare über die internationalen Kredit- und Kapitalmärkte halten könnten. Neugierde und Lerneifer sind bei den Nordkoreanern riesig groß. Mit entsprechender Einstellung führt dies zu hochinteressanten Informationsaustauschen. Die Abenteuer fingen immer erst damit an, wenn der offizielle Rahmen verschoben wurde, sei es ein sensibler Fotostandpunkt, eine besondere Streckenführung, oder ein Gespräch abseits der Routine. Abenteuer bedeutet nicht zwingend Gefahr - sondern Unsicherheit, bisweilen auch das Gefühl, Neuland zu betreten – mental wie kulturell oder geografisch.  

Gab es einen Moment, in dem Sie gezweifelt haben, ob diese Reise wirklich stattfinden würde?
Mit politischen Spannungen, bürokratischen Hürden, kurzfristigen Planänderungen ist immer zu rechnen. All das gehört zu Reisen in ein Land wie Nordkorea. Man lernt schnell. Planung ist relativ, Flexibilität und Geduld hingegen essenziell.

Warum gilt Nordkorea unter Eisenbahnfreunden als nahezu unerreichbarer Sehnsuchtsort?
Das bereits angesprochene „Geheimnisvolle“ spielt da natürlich eine Rolle. Außerdem sind wir ja alle auch „Jäger und Sammler“, und eine nordkoreanische Lokomotive in seinem eigenen Archiv zu haben ist eine Trophäe. Nordkorea hat ein einzigartiges Eisenbahnsystem. Historische Einflüsse aus Japan, der Sowjetunion und eigene Produktion existieren nebeneinander. Die Zeit scheint irgendwann in den 60er Jahren stehengeblieben zu sein, und machte dieses System zu einem technischen Biotop jenseits globaler Standardisierung. 

 Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. Das Kollektiv steht über dem Individuum. Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. Das Kollektiv steht über dem Individuum.
Ein Kopf lugt aus einem roten Fahnenmeer hervor. Das Kollektiv steht über dem Individuum.

Was unterscheidet die nordkoreanische Eisenbahnwelt technisch und atmosphärisch von anderen Ländern Asiens?
Technisch ist sie heterogen und improvisationsstark. Materialknappheit erzwingt Kreativität.  Auf der „Kukchol“ verkehren mit Umformern und Vorwiderständen umgerüstete Ostberliner U-Bahnzüge. Außerdem gibt es jede Menge zusammengebastelte Unikate. Nordkoreas Bahnhöfe sind eine Mischung aus sozialistischem Pathos und – außerhalb von Pyongyang  - ziemlich harten Realitäten. In der Hauptstadt wirkt der Bahnhof wie Bühne und Kulisse. Auf dem Lande sieht es anders aus: Viele Stationen sind klein, durchaus funktional, aber oft auch stark heruntergekommen. Sie sind in den kalten Wintern kaum beheizt, Wartezeiten können sehr lang werden, wenn Züge ausfallen. Hinzu kommt, dass Reisen in Nordkorea kein selbstverständlicher Akt ist, es braucht Genehmigungen. Ein Bahnhof ist also auch Kontrollort und nicht nur Transitort. 

Sie beschreiben die Lokomotive „Rote Fahne“ als Stolz des Landes – welche Bedeutung haben solche Maschinen im nationalen Selbstverständnis?
Die „Rote Fahne“ ist das Symbol für Selbstständigkeit und industrielle Eigenleistung. In einem Land, das im Rahmen seiner „Chuche“-Ideologie stark auf Autarkie setzt, werden solche Maschinen zu Identitätsträgern. Die „Rote Fahne“ ist also gewissermaßen die materialisierte Staatsdoktrin. 

Welcher Bahnhof ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Da muss ich wohl den Hauptbahnhof Pyongyang nennen. Monumentalität, inszeniert, symbolisch aufgeladen – und zugleich voller ganz normaler Alltagsgesichter. Diese Gleichzeitigkeit bleibt.

Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier. Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier.
Was machen Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen eigentlich nach der Arbeit? Zumindest für die hier abgebildeten Personen lässt sich konstatieren: Sie gehen auf ein Feierabendbier.

Wie viel Bewegungsfreiheit hatten Sie beim Fotografieren und Dokumentieren?
Fotografie ist in Nordkorea immer politisch. Ein Foto ist nicht nur Erinnerung, sondern es ist eine Darstellung. Und Darstellung ist kontrolliert. Das Fotografieren von Bahnanlagen ist dabei dann nochmal eine ganz andere Liga als etwa Touristenfotos von Monumenten. Die Eisenbahn wird stark vom Militär genutzt, sie ist wirtschaftlich von zentraler Bedeutung - und ist mithin hochgradig sicherheitsrelevant. Vieles hängt natürlich vom Verhältnis zu den Begleitern ab. Wer sie als Partner sieht und echtes Interesse zeigt, bekommt selbstverständlich mehr zu sehen und zu fotografieren, als jemand, der nur die Bestätigung eigener Vorurteile sucht.

Gab es Momente, in denen Sie gespürt haben, dass Sie etwas sehen durften, das nur sehr wenige Menschen je zu Gesicht bekommen?
Mehrere. Bei meiner zweiten Reise nach Nordkorea wurde mir im Jahre 2002, nach dem Konsum ungesunder Mengen Soju mit dem Depotchef, spontan ein Besuch und das Fotografieren im Dampflokdepot Cholgwang bewilligt. Während einer späteren Reise wurde ich über freie Märkte geführt. Einmal saßen wir spätabends in Wonsan am Pier und aßen frische Garnelen mit Einheimischen. All dies mag banal klingen. In Nordkorea ist es etwas alles andere als selbstverständlich.    

Nordkorea gilt als eines der abgeschottetsten Länder der Welt. Wie haben Sie die Atmosphäre vor Ort erlebt?
Kontrolliert, ja – aber nicht permanent angespannt. Es gibt die offizielle, stark strukturierte Ebene. Und darunter eine leise Alltagsebene, in der Menschen lachen, diskutieren, warten, arbeiten. Das eine schließt das andere nicht aus.

Wie authentisch kann eine Reise in einem so stark kontrollierten System überhaupt sein?
In Nordkorea ist vieles kuratiert. Aber auch mit diesen gesetzten Rahmenbedingungen lassen sich echte Eindrücke gewinnen – sofern man aufmerksam beobachtet und nicht vorschnell urteilt. Authentizität entsteht ja nicht nur durch totale Bewegungsfreiheit.

Gab es Begegnungen mit Menschen, die Sie besonders berührt haben?
Immer wieder die Gespräche mit Su Yong, einem großartigen Organisator, der über zahlreiche Reisen zu einem Freund geworden war. Abends am Taedong-Fluss sprachen wir sehr oft offen. Ich habe aus solch persönlichen Perspektiven viel gelernt. Auch die Gespräche mit den hart arbeitenden Eisenbahnern beeindruckten mich. Fachliche Leidenschaft überwindet politische Systeme erstaunlich schnell.

Wie geht man als Beobachter damit um, wenn Inszenierung und Realität nebeneinander existieren?
Indem man beides anerkennt. Die Inszenierung ist Teil der Realität. Gleichzeitig existiert darunter ein Alltag, der weniger spektakulär aber ebenso wahr ist.

Hat sich Ihr Blick auf das Land im Laufe Ihrer mehreren Reisen verändert?
Definitiv. Am Anfang stand Neugier, später Differenzierung. Mit jeder Reise wird der Blick präziser – und das Urteil vorsichtiger. 

Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.
Die »Autobahn« von Wonsan nach Pyongyang ist nichts für »Weichsitzer«, da sie mit Betonplatten verlegt ist, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Dafür ist die Landschaft mit ihren Gebirgsmassiven spektakulär.

Ihre Fotos sind ein zentraler Bestandteil des Buches – nach welchen Motiven haben Sie gesucht?
Meine Fotografie in Reiseabenteuer Nordkorea ist nicht darauf ausgerichtet, das Spektakuläre oder Sensationelle zu zeigen. Mich interessierten vor allem die Zwischentöne – der Alltag hinter den großen Inszenierungen.

Natürlich gehören Monumente, die “Arirang” Choreographien und die sozialistische Architektur und allgegenwärtige Propaganda zum visuellen Erscheinungsbild Nordkoreas. Aber ich habe bewusst nach Momenten gesucht, die Menschlichkeit zeigen: ein Lächeln, spielende Kinder in Cholgwang, Arbeiter, stille Landschaften außerhalb von Pjöngjang.

Ich wollte Bilder einfangen, die Fragen stellen, statt fertige Antworten zu liefern. Fotos und Texte, die nicht nur ein politisches System dokumentieren, sondern auch Begegnungen und Eindrücke transportieren. Mein Ziel war es, Komplexität sichtbar zu machen – jenseits der gängigen Klischees.

Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.
Sommerliche Szene aus der reichlich mit Flaggen geschmückten Hauptstadt: Zwei Frauen schieben ihre Fahrräder ueber einen Zebrastreifen. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.

Gibt es ein Bild im Buch, das für Sie persönlich die Essenz Ihrer Nordkorea-Reisen einfängt?
Ja, es gibt ein Bild, das für mich sinnbildlich für die Reisen steht: Eine scheinbar alltägliche Szene auf Seite 16 – Zwei Frauen, die Ihre Fahrraeder über einen Zebrastreifen schieben. Im Hintergrund monumentale Architektur und Fahnenschmuck, sichtbare Zeichen der politischen Dimension des Landes.

Dieses Spannungsfeld zwischen Normalität und Inszenierung hat mich während aller Reisen begleitet. Nordkorea ist ein Land der großen Bilder – aber es sind oft die leisen Momente, die am meisten erzählen. Für mich steht dieses Foto für genau diese Dualität: die Gleichzeitigkeit von Individualität und System, von Nähe und Distanz, von Offenheit im persönlichen Gespräch und klar gesetzten Grenzen im öffentlichen Raum.

Mussten Sie bei der Veröffentlichung besondere Sensibilitäten beachten?
Unbedingt. Bei einem Land wie Nordkorea ist Sensibilität unerlässlich – nicht zuletzt aus ethischer Verantwortung.

Mir war wichtig, weder zu romantisieren noch zu dämonisieren. Nordkorea polarisiert stark; mein Anspruch war jedoch, differenziert zu berichten. Ich verstehe das Buch nicht als politische Anklage oder Verteidigung, sondern als persönliche Reiseerzählung, die Begegnungen dokumentiert und Kontext liefert. Es soll zum Nachdenken anregen – nicht vorschnelle Urteile verstärken.

Was war Ihnen beim Schreiben dieses Buches besonders wichtig?
Differenzierung. Es war mir ein zentrales Anliegen, Nordkorea nicht auf Schlagzeilen zu reduzieren. International wird das Land häufig entweder als reine Bedrohung oder als skurrile Kuriosität wahrgenommen. Beides greift zu kurz.

Nordkorea ist ein reales Land mit einer langen, vielschichtigen und oft tragischen Geschichte. Es verfügt über kulturelle Traditionen, gesellschaftliche Strukturen und Menschen mit individuellen Lebensrealitäten. Diese Komplexität sichtbar zu machen, ohne zu vereinfachen oder zu polarisieren, war mir beim Schreiben besonders wichtig.

Ich wollte weder verharmlosen noch dramatisieren – sondern ein differenziertes Bild zeichnen, das Raum für eigene Gedanken lässt.

Ist „Reiseabenteuer Nordkorea“ eher ein Eisenbahnbuch, ein Reisebericht oder ein politisches Zeitdokument?
Im Idealfall ist es alles drei. Die Eisenbahn bildet natuerlich den roten Faden des Buches. Auf Schienen bewegt man sich in Nordkorea langsam – und genau diese Langsamkeit ermöglicht Beobachtung. Gleichzeitig führt dieser rote Faden durch politische Realitäten, gesellschaftliche Strukturen und historische Hintergründe. Wer durch ein Land reist, begegnet zwangsläufig seiner Zeitgeschichte.

Das Buch ist daher ein Reisebericht mit technischen und eisenbahnhistorischen Aspekten, zugleich aber auch ein persönliches Zeitdokument über Begegnungen in einem Land, das nur selten aus unmittelbarer Erfahrung beschrieben wird.

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben – für Eisenbahnexperten oder für neugierige Weltreisende?
Für beide. Eisenbahnfreunde finden detaillierte Einblicke in die Geschichte, Fahrzuege und Strecken. Genauso richtet es sich an neugierige Leserinnen und Leser, die bereit sind, jenseits gängiger Narrative zu schauen und sich auf Zwischentöne einzulassen. Wer sich für Reisen, Geschichte und gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert, wird ebenso angesprochen. Die Eisenbahn ist das verbindende Element –im Mittelpunkt stehen jedoch immer die Eindrücke, Beobachtungen und Begegnungen.

Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking  Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking
Lunchbox und Flüssignahrung im internationalen Zug nach Peking

Was wünschen Sie sich, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre mitnehmen?
Neugier ohne Naivität, Interesse ohne Verklärung. Vielleicht auch Innehalten gegenüber schnellen Urteilen. Die Welt ist selten so eindeutig, wie sie in Schlagzeilen erscheint. Wer sich auf Reisen begibt – geografisch wie gedanklich – entdeckt oft Grautöne zwischen Schwarz und Weiß.

Wenn Leserinnen und Leser das Buch schliessen und sagen: „So habe ich das noch nicht betrachtet“, dann hat es seinen Zweck erfüllt. Und vielleicht entsteht auch die Erkenntnis, dass Neugier, Respekt und genaue Beobachtung wertvollere Begleiter sind als vorschnelle Bewertungen.

Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen  Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen
Der menschenleere Kim Il-Sung-Platz im nächtlichen Regen

Würden Sie wieder nach Nordkorea reisen?

Ja – unter bestimmten Voraussetzungen würde ich das. Nicht aus Sensationslust und auch nicht, um Bekanntes zu wiederholen, sondern aus dem Wunsch heraus, Entwicklungen zu beobachten. Länder verändern sich, selbst solche, die nach außen hin statisch wirken. Mich würde interessieren, was geblieben ist, was sich verschoben hat – atmosphärisch, gesellschaftlich, im Alltag.

Gleichzeitig ist eine Reise nach Nordkorea nie eine rein touristische Entscheidung. Man bewegt sich in einem politisch sensiblen Umfeld und trägt Verantwortung – gegenüber sich selbst und gegenüber den Menschen, denen man begegnet.

Wenn Sie Nordkorea in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?
Diszipliniert. Widersprüchlich. Still 

Am Ende bleibt kein lautes Urteil, sondern ein leiser Nachhall. Florian Schmidt beschreibt Nordkorea als „diszipliniert, widersprüchlich, still“ – drei Worte, die weniger erklären als vielmehr Raum lassen.

„Reiseabenteuer Nordkorea“ ist deshalb mehr als ein Eisenbahnbuch. Es ist eine Einladung zur differenzierten Betrachtung. Eine Erinnerung daran, dass Reisen nicht nur geografische Bewegung bedeutet, sondern auch gedankliche. Zwischen Schlagzeilen und Wirklichkeit, zwischen System und Mensch, zwischen Monumentalität und leisen Alltagsmomenten verlaufen oft unsichtbare Gleise.

Wer bereit ist, ihnen zu folgen, entdeckt nicht nur ein verborgenes Eisenbahnsystem – sondern auch neue Perspektiven.

Goldener Kolben 2026 für Motorbuch-Autor Dieter Lammersdorf

  • 16.02.2026

Seit über 20 Jahren dokumentiert Dieter Lammersdorf mit unermüdlichem Einsatz die Oldtimermuseen im deutschsprachigen Raum. Für seine außergewöhnlichen Leistungen zur Bewahrung und öffentlichen Vermittlung der Fahrzeuggeschichte wird er 2026 vom Forum für Fahrzeuggeschichte (F-kubik) mit dem „Goldenen Kolben“ ausgezeichnet. Passend dazu erscheint im Februar die aktualisierte Neuauflage seines Museumsführers Museumstouren im Motorbuch-Verlag.

Dieter, du wirst 2026 vom Forum für Fahrzeuggeschichte mit dem Goldenen Kolben ausgezeichnet. Wie hast du von der Ehrung erfahren – und was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Als im Oktober das Telefon klingelte, war ich erst einmal völlig überrascht – denn mit dieser Auszeichnung hatte ich keineswegs gerechnet. 

Der Goldene Kolben würdigt außergewöhnliche Leistungen zur Dokumentation der Fahrzeuggeschichte. Was bedeutet dir diese Auszeichnung persönlich?

Diese Auszeichnung ist für mich ein großer Ansporn, die Arbeit an Oldtimermuseen.de sowie das Schreiben von Artikeln und Büchern über die Oldtimermuseumslandschaft fortzusetzen. 

Dieter Lammersdorf - Preisverleihung des Goldenen KolbenDieter Lammersdorf - Preisverleihung des Goldenen Kolben

Wenn du auf die bisherigen Preisträger blickst – wie fühlt es sich an, nun selbst Teil dieser Reihe zu sein?

Das Ganze fühlt sich für mich noch immer etwas surreal an. Mit Preisträgern wie z.B. Winfried Seidel – dem Erfinder und Organisator der Veterama sowie Betreiber des Museums Dr. Carl Benz in Ladenburg – kann ich mich kaum vergleichen.
Auch wenn Winfried und ich inzwischen befreundet sind, empfinde ich seine Leistungen für den Oldtimerbereich als weitaus bedeutender als meine eigenen. Nun mit ihm in einer Reihe genannt zu werden, habe ich ehrlich gesagt immer noch nicht vollständig begriffen und verarbeitet.

Deine Begeisterung für Oldtimer begann schon mit 17 Jahren. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dich das Thema endgültig gepackt hat?

Das weiß ich tatsächlich noch ganz genau! Ein Freund und ich standen vor dem Haus meiner Eltern, als mein Cousin mit seinem Heinkelroller zu Besuch kam. Der Klang des Einzylinder-Viertaktmotors hat mich regelrecht umgehauen. Kurz darauf besaß ich meinen ersten Heinkelroller – und seitdem lebe ich irgendwie für die Oldtimerei.

Dieter Lammersdorf - Heinkel-KabineDieter Lammersdorf - Heinkel-Kabine

Besonders die Nachkriegsfahrzeuge von Heinkel haben es dir angetan. Was fasziniert dich an dieser Marke bis heute?

Neben dem unverwechselbaren Klang des Einzylinder-Viertaktmotors fasziniert mich vor allem die durchdachte Technik der Fahrzeuge aus dem Hause Heinkel. Mit der Zeit lernte man diese Technik immer besser kennen – auch wenn ich natürlich bei Reparaturen und Restaurierungen auch Fehler gemacht habe. Doch das gehört dazu: Am meisten lernt man aus Fehlern, und am Ende habe ich sie immer wieder zum Laufen gebracht.

Du hast selbst restauriert, geschraubt und geforscht. Wie wichtig ist dir dieser praktische Bezug für deine publizistische Arbeit?

Ich glaube, dass ich die Fahrzeuge inzwischen recht gut kenne. Das hat mir das Schreiben über sie und ihre Entwicklungsgeschichte deutlich erleichtert. In den letzten Jahren sind so mehrere Artikel und drei Bücher zum Thema Heinkel entstanden.

2002 hast du deinen ersten Museumsführer veröffentlicht – damals noch im handschuhfach­tauglichen Format. Was war dein ursprünglicher Antrieb für dieses Projekt?

Damals gab es im Wesentlichen nur Museumsbücher für das heimische Regal. Mir fehlte jedoch ein gut strukturierter Museumsführer fürs Handschuhfach oder den Tankrucksack. Auch wenn es sich etwas seltsam anhört – ich habe ihn dann eben selbst geschrieben.

Heute dokumentierst du über 500 Oldtimermuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie hat sich die Museumslandschaft in den letzten 20 Jahren verändert?

Zum einen gibt es in Deutschland mittlerweile deutlich mehr Oldtimermuseen die bekannt sind – viele davon werden von Clubs betrieben, und auch einige Automobilfirmen haben sich auf ihre Wurzeln besonnen und eigene Firmenmuseen eröffnet.

Was macht für dich ein gutes Oldtimermuseum aus: die Größe der Sammlung, besondere Exponate oder das erzählerische Konzept?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Als Liebhaber von Rollern und Kleinwagen freue ich mich natürlich immer, wenn ich solche Fahrzeuge in einem Museum entdecke. Ob groß oder klein – gerade die von Clubs geführten Museen haben ihren besonderen Charme.

Dieter Lammersdorf Dieter Lammersdorf

Im Februar erscheint die aktualisierte Neuauflage von Museumstouren. Was dürfen Leserinnen und Leser in der neuen Ausgabe erwarten?

Das bewährte Konzept wurde selbstverständlich fortgeführt. Zwar wurden im vergangenen Jahr drei Museen geschlossen, gleichzeitig konnten jedoch fünf neue Museen aufgenommen werden.

Die Neuauflage enthält zusätzliche Museen und Geheimtipps Wie wählst du aus, was aufgenommen wird?

Hierfür gibt es grundsätzlich drei Kriterien: In der Sammlung müssen Fahrzeuge und/oder Motoren präsentiert werden. Zudem darf es sich nicht einfach um eine Anhäufung von Fahrzeugen in einer Garage oder Halle handeln, sondern um eine Ausstellung mit musealem Charakter.
Darüber hinaus muss der Sammler damit einverstanden sein, auf oldtimermuseen.de sowie im Buch veröffentlicht zu werden. Es gibt in Deutschland noch einige sehenswerte Sammlungen, bei denen die Besitzer jedoch nicht genannt werden möchten und deshalb auch im Buch und auf der Onlineplattform nicht erwähnt werden.

MuseumstourenMuseumstouren

Wie aufwendig ist es, die Vielzahl an Informationen – von Eintrittspreisen bis Ausstellungsschwerpunkten – aktuell zu halten?

Dies ist ein schwieriges und zugleich sehr aufwendiges Unterfangen. Da ich jedoch regelmäßig per E-Mail mit den Museen in Kontakt stehe, erhalte ich die benötigten Informationen in den vielen Fällen direkt von dort.

Mit oldtimermuseen.de hast du dein über Jahrzehnte gesammeltes Wissen ins Digitale übertragen. Warum war dir dieser Schritt wichtig?

Die älteren Semester – und da schließe ich mich bewusst mit ein – bevorzugen häufig noch die gedruckte Ausgabe. Jüngere Oldtimerliebhaber greifen dagegen lieber digital auf die Informationen zu, sei es unterwegs auf dem Smartphone oder zur Tourenvorbereitung am PC oder Laptop.
Hinzu kommt, dass oldtimermuseen.de mit Google Maps gekoppelt ist und der Routenplaner so blitzschnell die Entfernung zum ausgewählten Museum sowie die passende Strecke anzeigt.

Seit dem Relaunch 2022 wurde die Website von über 500.000 Interessierten besucht. Was sagen dir diese Zahlen?

Da bei diesen Zahlen ausschließlich die tatsächlichen Besucher und keine Suchmaschinenzugriffe gezählt werden, zeigen sie mir, dass ich offenbar auf dem richtigen Weg bin. Sie machen mich stolz und motivieren mich, weiter an diesem Projekt zu arbeiten.

Dieter Lammersdorf - PeelDieter Lammersdorf - Peel

Welche Rolle spielt Orientierung für Oldtimer-Fans heute – gerade bei der Vielzahl an kleinen und großen Museen?

Ich glaube, dass mein Buch und die Homepage dazu beitragen, dass sich Oldtimerliebhaber in der Vielzahl der weniger bekannten Oldtimermuseen besser zurechtfinden – und genau jene für sich entdecken, die einen Besuch wirklich lohnen.

Dieter LammersdorfDieter Lammersdorf

Du wirkst auch nach über 20 Jahren Arbeit an diesem Thema unermüdlich. Was treibt dich an?

Die vielen sehr positiven Reaktionen der Oldtimerliebhaber in den vergangenen Jahren, die mein Buch und die Homepage nutzen, sind für mich eine große Bestätigung. Eine ganz besondere Bedeutung hat jedoch die Auszeichnung mit dem Goldenen Kolben des F-kubik. Sie spornt mich enorm an – vor allem, wenn man einen Blick auf die bisherigen Preisträger wirft. In dieser Reihe genannt zu werden, ist für mich noch immer kaum zu begreifen und fühlt sich fast unwirklich an.

Geplant sind weitere Buchprojekte zu Museen in Österreich und der Schweiz. Was dürfen wir hier erwarten?

Am bewährten Konzept des Buches Museumstouren halte ich fest. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass insbesondere die vielen kleineren, weniger bekannten Museen dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft der automobilen Erinnerungskultur?

Dass wir unseren Blick nicht ausschließlich auf die großen Museen richten, sondern uns bewusst auch den kleinen, feinen, oft von Clubs oder Privatpersonen geführten Museen widmen.

 

Dieter Lammersdorf - MopettaDieter Lammersdorf - Mopetta

Und zum Abschluss: Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die sich für Fahrzeuggeschichte begeistern?

Schaut euch in den Museen und auf den zahlreichen Oldtimerveranstaltungen um, entdeckt euer Lieblingsfahrzeug und sucht den Austausch mit Gleichgesinnten in einem der vielen Clubs. Lasst euch dabei nicht entmutigen, wenn ihr dort überwiegend Oldtimerliebhaber älteren Semesters trefft – gerade hier erhaltet ihr in der Regel viele wertvolle Tipps und Erfahrungen aus erster Hand. Zudem bekommt ihr von den Clubmitgliedern häufig wichtige Informationen, wenn es um den Kauf eines Fahrzeugs und die Beschaffung der benötigten Ersatzteile und Reparaturen geht.

 

Der Goldene Kolben 2026 ist eine verdiente Anerkennung für jahrzehntelange Leidenschaft, akribische Recherche und den Wunsch, automobile Geschichte für alle zugänglich zu machen. Dieter Lammersdorf zeigt, wie viel Wirkung persönliches Engagement haben kann – im Buch, im Netz und vor Ort in den Museen. Mit der neuen Ausgabe von Museumstouren gibt er Oldtimerfans erneut einen verlässlichen Begleiter an die Hand.

Jagderzählungen eines Meisters: ‚Der Weg zum wahren Jäger‘ von Gert G. von Harling

  • 09.02.2026

Gert G. von Harling gehört zu den bekanntesten und mehrfach ausgezeichneten Jagdautoren Deutschlands. Mit mehr als 90 Buchveröffentlichungen, dem Kulturpreis des Deutschen Jagdschutzverbandes und dem internationalen Kunstpreis des CIC ist er eine prägende Stimme der Jagdliteratur – ein Autor, dessen Werke Generationen von Jägerinnen und Jägern inspiriert haben.

In seinem neuen Buch Der Weg zum wahren Jäger blickt er auf fast 70 Jahre gelebte Jagd zurück und teilt seine Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken darüber, was Jagd für ihn wirklich bedeutet: Ursprünglichkeit, der bewusste Verzicht auf moderne Technik und die Herausforderung, Wild mit Sinnen und körperlicher Fähigkeit zu überlisten. Kein Wunder, dass dieses Werk bereits als „Jagdbuch des Jahres“ ausgezeichnet wurde und den 1. Platz in der Kategorie Belletristik belegte.

Wir haben mit dem renommierten Autor über seine Philosophie des Waidwerks und die Erlebnisse hinter seinem neuen Buch gesprochen.

In Ihrem neuen Buch "Der Weg zum wahren Jäger" blicken Sie auf 70 Jahre Jagderfahrung zurück. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Da ich mein ganzes Leben lang und auf sämtlichen Kontinenten gejagt habe, kann ich eine Fülle von spannenden, auch lebensgefährlichen, stimmungsvollen und frustrierenden Begegnungen aufzählen. Besonders hat es mir ein alter Kudubulle mit einem abgebrochenen Horn in Namibia angetan. Ich habe ihn fast ein Jahr lang verfolgt, Strapazen und Entbehrungen auf mich genommen, viele andere stärkere Trophäenträger laufen lassen, bis ich ihn schließlich erlegte. Auch der über 24-Stunden lange Ansitz auf einem Baum, um einen Rothirsch zu überlisten ist mir unvergesslich, ebenso wie die unzähligen Nächte, die ich im Busch, in der Savanne und im Urwald verbringen durfte.

Sie sprechen sich bewusst gegen moderne Jagdtechnik aus - warum ist Ihnen das so wichtig?

Das möchte ich mit einem Bonmot von Oscar Wilde verdeutlichen: "Die Blume im Knopfloch ist das Einzige, was den modernen Menschen mit der Natur verbindet." Für die Jagd heißt das: Wir dürfen uns von den Ursprüngen nicht noch weiter entfernen, nicht immer mehr Technik verwenden, sondern wir müssen unsere Sinne schulen und wieder lernen, sie einzusetzen. Man darf nicht die Handikaps abschaffen, die den Sport ausmachen. Jagen wird sonst zu einem simplen, ja gefühlslosen Tötungsakt.

 

Gert G. von Harling mit seinem HundGert G. von Harling mit seinem Hund

Was macht für Sie einen "wahren Jäger" aus?

Jäger sein heißt Mensch sein in seiner ursprünglichen Form. Beim Jagen können wir zu unseren Wurzeln zurückkehren, wenn wir in uns hineinhorchen und das tun, dann sind wir "wahre" Jäger.

Halten wir uns doch unsere Entwicklungsgeschichte vor Augen. Mit der Jagd begann der Aufstieg des Menschen. Er musste das Wild genau kennen, seine Sinne einsetzen, um es zu überlisten. So entwickelte sich sein Verstand. Den wahren Jäger macht aus, Eins zu sein mit der Natur.

Die Erlegung eines Rehbockes nach anstrengender Pirsch bleibt in der Erinnerung, nicht der "kunstlose" Abschuss eines vom Jagdaufseher am Wildacker bestätigten Bockes vom Hochsitz aus. Nachts mit einem erleuchteten Display zu Schießen, ist simpel, am Tage Wild anzupirschen und über ein herkömmliches Absehen zu erlegen ist eine Herausforderung. Geht es darum, die Natur auf eigenen Sohlen, nicht durch das Fenster des Geländewagens zu erfühlen, einen Hirsch auf dreißig Gänge anzupirschen und zu erlegen, nicht mit einem weiten "Kunstschuss" zu töten, eine Rotte Sauen am Tage im Getreide anzugehen, nicht nachts durch die Luke einer isolierten Schlafkanzel zu beschießen, ist das wahres „Jagen“.

Einen Fuchs zu überlisten, bei klirrender Kälte auf Schrotschussentfernung heranzureizen, ist Jagd. Jungfüchse vor dem Bau zu liquidieren hat mit wahrem Jagen wenig gemein, verdient das Prädikat Wildbewirtschaftung. Wild bejagen und Wild bewirtschaften, kein feiner, ein grundlegender Unterschied. 

Buchcover von "der Weg zum wahren Jäger"Buchcover von "der Weg zum wahren Jäger"

Hat sich Ihre Sicht auf die Jagd im Laufe der Jahrzehnte verändert - und wenn ja, wie?

Jagd und Jäger haben sich seit meiner Jugendzeit enorm gewandelt. Die Devise lautet neuerdings: „Bequem, schnell und effektiv Beute machen“, möglichst keine Enthaltsamkeit oder Anstrengung. Die Jagd verkommt so zum Freizeitvergnügen, zu einer kurzweiligen Freiluft-Veranstaltung. Ich fürchte, mit der Jagd geht es so wie mit der großen Politik: Sie ist für viele zum Deal geworden. Aber man schmückt sich nicht damit, ein Jäger zu sein. Jäger ist man in seinem Inneren. Man prahlt nicht damit, weil man dazugehört. Ein wahrer Jäger zu sein ist eine Weltanschauung.   

Was möchten Sie jungen Jägerinnen und Jägern mit auf den Weg geben?

Zurück zur Natur und sich wieder auf alte Werte, auf die „Hohe Kunst des Jagens“, auf das „Edle Waidwerk“, auf die Kultur der Waidgerechtigkeit besinnen.

Einen guten Rotwein kann man aus einem Pappbecher trinken oder aus einem edlen Glas genießen. Für mich ist ein Pirschgang wie eine Seelenwäsche. Der Alltag mit seinen Problemen, die Politik mit ihren Wichtigkeiten und ihrer Aufgeblasenheit - all das, ich will es mit Reinhard Mey sagen, "wird so nichtig und klein."

 

Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Was erfüllt Sie mit besonderem Stolz oder Dankbarkeit?

Zum Stolz - da fällt mir nichts ein, aber ich bin voller Dankbarkeit, dass ich auf einem einsamen Waldgut groß werden und von Kindesbeinen an jagen durfte. Dass ich hervorragende jagdliche Vorbilder und stets gute Hunde hatte, empfinde ich ebenfalls als großes Glück - und dass die Jagd mein Lebensinhalt geworden ist, ebenfalls. 

 

Mit Der Weg zum wahren Jäger hat Gert G. von Harling erneut ein Meisterwerk der Jagdliteratur geschaffen. Das Buch vereint meisterhafte Jagderzählungen, tiefgründige Reflexionen über Waidwerk und die Philosophie eines konservativen, aber visionären Jägers. Für alle, die Jagd als Kunst verstehen, ist dieses Buch ein unverzichtbares Werk – und ein Zeugnis der Leidenschaft eines der meistgelesenen zeitgenössischen Jagdautoren Deutschlands.

WM 2026 – Alles zur Fußball WM in den USA, Kanada und Mexiko - Interview mit Siegmund Dunker & Dino Reisner über ihr neues Buch

  • 26.01.2026

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird größer, internationaler und komplexer als je zuvor: Erstmals findet das Turnier in drei Gastgeberländern statt, erstmals nehmen 48 Nationalmannschaften teil – und erstmals wird ein komplett neuer Turniermodus gespielt. Für Fans bedeutet das: mehr Spiele, mehr Stars, mehr Geschichten.

Mit dem Buch „WM 2026 – Alles zur Fußball WM in den USA, Kanada und Mexiko. Die Mannschaften. Die Stars. Die Stadien“ liefern die Sportjournalisten Dino Reisner und Siegmund Dunker den idealen Begleiter für dieses historische Turnier. Im Interview sprechen sie über die Entstehung des Buches, die besonderen Herausforderungen der WM 2026 und darüber, was Fans schon jetzt wissen sollten, um bestens vorbereitet zu sein.

Cover von WM 2026 – Alles zur Fußball WM in den USA, Kanada und MexikoCover von WM 2026 – Alles zur Fußball WM in den USA, Kanada und Mexiko

Herr Reisner, Herr Dunker – die Fußball-WM 2026 wird in vielerlei Hinsicht einzigartig. Was hat Sie persönlich gereizt, genau zu diesem Turnier ein Buch zu schreiben?

Siegmund Dunker: Fußball-Weltmeisterschaften zählen zu den größten Sportereignissen der Welt und ziehen Millionen von Menschen in ihren Bann. In diesem Jahr strahlt die Faszination noch ein bisschen heller, weil erstmals 48 Nationen teilnehmen werden. Für WM-Debütanten wie Kap Verde oder Curacao wird diese Weltmeisterschaft nicht einfach nur ein Fußballturnier sein, sondern ein historisches, identitätsstiftendes Ereignis. 

 

Die WM 2026 ist die erste Weltmeisterschaft, die in drei Ländern ausgetragen wird. Wann war für Sie klar: Dieses Turnier braucht ein eigenes, umfassendes Fanbuch?

Siegmund Dunker: Wir hatten als Autorenduo bereits ein Vorschau- sowie Turnierbuch zur Europameisterschaft 2024 in Deutschland verfasst. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat es dabei vollbracht, nach den sportlich tristen Vorjahren wieder neue Euphorie zu entfachen. Dieser Aufschwung und die Aussicht auf eine WM der Superlative bestärkten uns darin, auch das kommende Turnier ausführlich begleiten zu wollen.  

 

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden ab? Gab es eine klare Aufgabenteilung oder haben Sie gemeinsam an allen Kapiteln gearbeitet?

Siegmund Dunker: Wir haben im Vorfeld gemeinsam ein Konzept erarbeitet, in dem wir festlegten, welche Aspekte uns besonders wichtig sind und wie wir die einzelnen Themenblöcke im Buch verteilen. Im Anschluss entwarfen wir einen Seitenplan und teilten uns die Themen auf. Mein Fokus lag vor allem auf den teilnehmenden Nationen und ihren Stars. Dino Reisner hat seine herausragende Expertise vor allem bei den historischen Texten und der Vorstellung der Stadien einfließen lassen.     

  

Sie bringen beide viel journalistische Erfahrung mit. Was war bei diesem Buch die größte Herausforderung – die Fülle an Teams, die Stadien oder der neue Turniermodus?

Siegmund Dunker: Wir hatten den Anspruch, ein Buch auf den Markt zu bringen, das umfassend über die WM informiert und dabei alle 42 bis Ende des Jahres qualifizierten Teams beleuchtet. Eine Herausforderung bestand darin, dass sich die WM-Qualifikation bis Mitte November erstreckte und die Auslosung gar erst Anfang Dezember stattfand. Wir konnten weite Teile des Buches also erst auf den letzten Metern produzieren. Uns war wichtig, die Teams nicht in beliebiger Reihenfolge vorzustellen, sondern den Gruppen zuzuordnen, in die sie gelost worden waren. 

48 Teams, neue Gruppenphase, erweitertes K.o.-System: Was bedeutet dieser neue Modus aus Ihrer Sicht für Spannung, Überraschungen und Außenseiterchancen?

Siegmund Dunker: Da sich von den 48 Teilnehmern 32 für die K.o.-Runde qualifizieren werden, ist ein Favoritensterben in der Vorrunde sehr unwahrscheinlich. Richtig spannend dürfte es erst ab dem Achtelfinale werden, wenn die stärkeren Nationen aufeinandertreffen. Eine WM bietet aber auch immer Raum für Überraschungen  - 2022 waren es die Marokkaner, die sensationell das Halbfinale erreichten. Die Debütanten und Außenseiter werden sich zerreißen, um den Top-Teams die Stirn zu bieten. 

Deutsche WM-Mannschaft Deutsche WM-Mannschaft

Glauben Sie, dass durch die Aufstockung auf 48 Teams neue Fußball-Nationen stärker in den Fokus der Fans rücken werden?

Siegmund Dunker: Kurzzeitig ja. Gerade als exotisch wahrgenommene Teams wie Curacao, Kap Verde oder Haiti dürften viel Interesse auf sich ziehen und auch davon profitieren, dass man als Fußball-Romantiker dazu neigt, mit den Underdogs besonders mitzufiebern. Für die Spieler dieser Nationen ist die WM eine große Chance, sich auf die Notizzettel europäischer Profiklubs zu spielen. 

 

In Ihrem Buch stellen Sie alle teilnehmenden Mannschaften vor. Gab es Teams, bei denen Sie selbst überrascht waren, wie spannend ihre Geschichte oder Entwicklung ist?

Siegmund Dunker: In Südamerika hat Ecuador fußballerisch eine beeindruckende Entwicklung hingelegt, und das, obwohl das Land insgesamt eine schwere Zeit durchmacht. Durch die Verschiebung von Drogenhandelsrouten ist Ecuador ein Schauplatz von Bandenkriegen und ausufernder Kriminalität geworden ist. Auch Haiti ist schwer von Bandenkriminalität gebeutelt und musste für seine Heimspiele in der WM-Qualifikation nach Curacao ausweichen. Das fand ich erschütternd. Umso schöner ist es, dass sich die Nationalmannschaft nun auf der größten Bühne überhaupt präsentieren darf.

MetLife Stadium MetLife Stadium

Welche Stars dürfen sich Fußballfans Ihrer Meinung nach bei der WM 2026 auf keinen Fall entgehen lassen – auch abseits der ganz großen Namen?

Siegmund Dunker: Ich freue mich besonders auf Ecuadors Mittelfeldabräumer Moises Caicedo, den hochbegabten Flügelstürmer Yan Diomande vom deutschen Gruppengegner Elfenbeinküste sowie Portugals Mittelfeldstrategen Vitinha und Joao Neves. Mein Herz hängt außerdem an den Belgiern mit Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku. 

Vom legendären Aztekenstadion bis zum hochmodernen MetLife Stadium: Welches Stadion hat Sie bei der Recherche am meisten beeindruckt – und warum?

Siegmund Dunker: Mit den Stadien hat sich in erster Linie Dino Reisner befasst. Architektonisch sagt mir vor allem das SoFi Stadium in Los Angeles zu. Aus nostalgischen Gründen und wegen des Namens mag ich zudem das Aztekenstadion sehr. 

 

Die WM findet in sehr unterschiedlichen Fußballkulturen statt. Glauben Sie, dass sich das auch auf Atmosphäre und Spielverlauf auswirken wird?

Siegmund Dunker: Die beste Atmosphäre erwarte ich bei den Spielen in Mexiko. Die Menschen dort sind absolut fußballverrückt. Die Begeisterung könnte deren Nationalmannschaft weiter tragen, als man es vielleicht vermuten würde.  

In einem eigenen Abschnitt ordnen Sie die WM 2026 historisch ein. Warum war es Ihnen wichtig, die Entwicklung der Weltmeisterschaft mit aufzunehmen?

Siegmund Dunker: Der Fußball wandelt sich stetig – und auch die Machtverhältnisse im Weltfußball. Der Blick in die Vergangenheit ermöglicht es uns, die Gegenwart besser zu verstehen. Viele Menschen verbinden zudem unzählige schöne Erinnerungen mit vergangenen Weltmeisterschaften. 

 

Wo sehen Sie die WM 2026 im Vergleich zu früheren Turnieren – eher als Neuanfang oder als konsequente Weiterentwicklung des Weltfußballs?

Siegmund Dunker: Eine WM in drei Ländern mit 48 Teams mag ein Novum sein. Diese Entwicklung war aber schon lange vorherzusehen. Mich freut es für die kleinen Nationen, dass sie dabei sein dürfen. Auf der anderen Seite muss man ganz klar festhalten: Der Weltverband FIFA verfolgt mit der Aufstockung vor allem wirtschaftliche Interessen und versucht, so viel Geld wie möglich aus diesem Turnier herauszupressen.

 

 

WM 1970 - Sieg WM 1970 - Sieg

Für wen ist Ihr Buch besonders gedacht: eher für eingefleischte Fußballfans oder auch für Einsteiger, die bei der WM 2026 mitreden möchten?

Siegmund Dunker: Ich bin überzeugt: Beide Zielgruppen dürften mit dem Buch großen Spaß haben.  

 

Was unterscheidet Ihr Buch von anderen WM-Vorschauen oder Online-Infos?

Siegmund Dunker: Die akribische Recherche und die Vollständigkeit. In dem Buch steckt viel Arbeit und Leidenschaft.

 

Welche Aspekte der WM 2026 werden Ihrer Meinung nach aktuell noch unterschätzt – könnten aber das Turnier entscheidend prägen?

Siegmund Dunker: Die klimatischen Bedingungen, die weiten Reisen während des Turniers, aber auch das Verletzungspech. Gerade die Spieler in England werden bereits eine enorme Anzahl an Spielen in den Knochen haben, wenn sie zur WM anreisen.

 

Wie verändert sich der Blick auf die WM 2026, wenn man sich mit Teams, Stadien und Hintergründen so intensiv beschäftigt hat wie Sie?

Siegmund Dunker: Es steigert in erster Linie die Vorfreude. Weil man sich auch mit den kleineren Nationen und Außenseitern befasst hat, ist zudem die Chance deutlich gestiegen, dass man auch bei Spielen wie Ghana gegen Panama gebannt vorm Bildschirm sitzen wird.  

 

Was ist die eine Sache, die Sie den Leserinnen und Lesern mitgeben möchten, wenn sie Ihr Buch zur Hand nehmen – bevor der erste Ball rollt?

Siegmund Dunker: Sie sind mit diesem WM-Begleiter bestens informiert. Scheuen Sie sich also nicht davor, ihr Wissen in größerer, geselliger Runde beim gemeinsamen Fußballschauen zum Besten geben. Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Lesen  - und gute Ergebnisse für die Teams, denen sie die Daumen drücken. 

 

Ob neue Fußball-Nationen, legendäre Spielstätten oder ein Turniermodus, der den Weltfußball nachhaltig verändern könnte – die WM 2026 verspricht, Geschichte zu schreiben. Das Buch von Dino Reisner und Siegmund Dunker ordnet dieses außergewöhnliche Turnier ein, liefert fundierte Hintergründe und macht Lust darauf, sich frühzeitig mit Teams, Stars und Austragungsorten auseinanderzusetzen.

Für alle, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 nicht nur zuschauen, sondern mitreden wollen, ist dieses Buch die perfekte Vorbereitung auf das größte Fußballereignis aller Zeiten.

Hinter den Kulissen: Ein Illustrator erzählt

  • 24.11.2025

Illustrationen können Geschichten erzählen, lange bevor ein Wort gelesen wird – und genau das macht die Arbeiten von Soner Aktas so besonders. Sein Stil ist minimalistisch, farbenfroh und voller kleiner Momente, die man erst nach und nach entdeckt. Im Interview spricht Soner Aktas offen darüber, wie er zur Illustration gefunden hat, warum ihn Wimmelbilder mit vielen kleinen Figuren faszinieren und wie es dazu kam, dass er das Cover zu „Nur noch 100 Kilometer bis zum Kuchen“ gestalten durfte.

Seine Gedanken geben einen schönen Einblick in die Welt eines Illustrators, der mit viel Gefühl, Humor und Liebe fürs Detail arbeitet.

Bild von Soner AktasBild von Soner Aktas

Können Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen – wer ist Soner Aktas, und wie sind Sie zur Illustration gekommen?

Zunächst einmal danke für das Interview. Ich hoffe, wir können gemeinsam einen interessanten Beitrag für Ihre Leser gestalten. Ich bin Soner Aktas und lebe seit 2014 in Deutschland, ursprünglich für mein Studium. Ich habe 2018 meinen Abschluss in Kommunikationsdesign an der HS Mainz gemacht und seitdem in verschiedenen Projekten gearbeitet – unter anderem bei ZDF, Adobe und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 2021 habe ich beschlossen, als Freelancer Illustrationen zu erstellen. Bevor man den ersten Auftrag erhält, muss man viele Art Directors überzeugen, da niemand mit jemandem ohne professionelles Portfolio arbeiten möchte. Nach viel Mühe bekam ich meinen ersten Auftrag vom Sensor Magazin, und als das Projekt erfolgreich war, folgten viele weitere Illustrationen, an denen ich bis heute arbeite. Abseits der Illustration reise ich gerne mit dem Fahrrad, fotografiere Städte, Menschen und Natur, spiele Bassgitarre und träume davon, einmal als Art Director in einem Magazin zu arbeiten und mit Illustratoren wie mir zusammenzuarbeiten.

 

Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben und welche Techniken bevorzugen Sie?

Mein Stil ist generell minimalistisch und stilisiert – er vereint handgezeichnete Charaktere, lebendige Pastelltöne und ein starkes Gespür für Farbe, Form und Rhythmus, egal ob Editorial-Illustration, Loop-Animation oder Social-Media-Kampagne. Ich glaube an visuelle Klarheit mit Persönlichkeit – an Gestaltung, die nicht nur gut aussieht, sondern auch etwas Echtes erzählt. Am liebsten zeichne ich Wimmelbilder mit vielen Figuren, die zusammen eine lebendige Szenerie bilden, in der jede Figur ihre eigene Geschichte und Emotion erzählt. Besonders gerne arbeite ich zu Themen aus Stadtleben, Gesellschaft, Geschichte, Wirtschaft oder Kultur.

 

Gibt es Künstler oder Illustratoren, die Sie besonders inspirieren?

Es gibt einige Künstler, die mich stark beeinflusst haben. Einer davon ist Vincent Mahé, dessen klare Formensprache und Umgang mit Farbe und Raum ich sehr bewundere. Auch Hergé hat einen großen Platz in meinem Herzen. In der Türkei gibt es zudem eine ausgeprägte Satire- und Karikaturkultur, die mich als Kind stark geprägt hat – ich habe damals viele Satiremagazine gelesen und versucht, die Illustrationen nachzuahmen. So hat sich mein eigener Stil nach und nach entwickelt.

 

Zum Cover von „Nur noch 100 Kilometer bis zum Kuchen“

Wie wurden Sie für dieses Coverprojekt ausgewählt?

Das Projekt kam über die Kreativagentur Echtweiß und Janna Marten zu mir. Im letzten Jahr hatte ich große Lust, etwas rund ums Fahrrad zu zeichnen, und habe verschiedene Magazine, Redaktionen und Art Directors kontaktiert, unter anderem das Fahrstil Magazin. Janna Marten hat mich daraufhin direkt angeschrieben, und zunächst habe ich das Cover für Fahrstil gestaltet. Einige Monate später rief sie mich an und erzählte mir vom Buchcover-Projekt – als großer Fahrradliebhaber konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

 

Entstehung des Covers Entstehung des Covers
Entstehung des Covers Entstehung des Covers

Welche Vorgaben haben Sie erhalten?

Janna ist eine sehr unkomplizierte Geschäftspartnerin. Sie gab mir das Thema und ließ mir große kreative Freiheit. Ich habe ihr erläutert, was ich umsetzen wollte, und nach ein wenig Brainstorming gleich losgelegt. Die ersten Skizzen habe ich ihr geschickt, und zwischen diesen Skizzen und dem finalen Cover gibt es nur kleine Detailanpassungen. Normalerweise präsentiere ich zwei bis drei unterschiedliche Vorschläge, hier wusste ich sofort, was ich zeichnen wollte, und Janna und der Verlag waren begeistert. Sie übernahm die Kommunikation zwischen mir und dem Verlag, und wir hatten keinerlei Probleme – nur beim Buchrücken gab es eine kleine Herausforderung, die wir schnell lösen konnten.

 

Was war Ihre Grundidee bzw. zentrale Bild-Elemente?

Als das Projekt zu mir kam, war der endgültige Titel des Buches noch nicht festgelegt. Ich habe zunächst versucht, mit den vorgeschlagenen Titeln etwas Spielerisches zu entwickeln. Meine erste Idee war eine Dreiergruppe von Radfahrern: Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es in Gruppen manchmal unterschiedliche Ansprüche gibt – der eine will sportlich fahren, der andere eher entspannt, mit Pausen für Kaffee oder Kuchen. Diesen Ansatz habe ich Janna vorgestellt und visualisiert, indem ich ihr Skizzen geschickt habe: vorne ein genervter Radfahrer und dahinter zwei andere, die beim Café Bestellungen aufgeben.
Allerdings spiegelte das noch nicht die Hauptidee wider. Janna erklärte, dass sie eher die Anstrengung beim Bergauffahren und das Durchhalten sehen möchte. Daraufhin habe ich das gleiche Layout genutzt, aber die Radfahrer beim Aufstieg an einem Café vorbeiziehend dargestellt, um sowohl den Sportgedanken als auch den Lifestyle-Aspekt des Radfahrens zu visualisieren.

 

Gibt es Details im Cover, die besonders wichtig für Sie sind?

Ja, es gibt kleine Details, die man nicht sofort bemerkt, die mir aber am Herzen liegen: Zum Beispiel die Katze und die Vögel auf dem Dach oder die Szene im Café. Dort sitzt ein Mann mit seiner Freundin, die ihm etwas erzählt, während er draußen die Radfahrer sieht und sich wünscht, selbst mit ihnen radeln zu können. Solche Momente machen das Bild lebendig.

 

Wie viele Skizzen oder Entwürfe haben Sie erstellt?

Die zweite Idee wurde akzeptiert, und daraufhin habe ich diese Idee dreimal überarbeitet, bevor ich mit der finalen Umsetzung begann.

 

Arbeiten Sie lieber digital, analog oder hybrid?

Ich arbeite gerne hybrid: Die Skizzen erstelle ich auf Papier und finalisiere sie digital. So geht es schneller, und das analoge Skizzieren macht mir viel Spaß, da ich von einer physischen Grundidee ausgehe.

 

Hatten Sie das Buch vorab gelesen?

Leider hatte ich das Buch nicht vorab lesen können.

 

Welchen Teil der Rennrad-Welt hat Sie besonders angesprochen?

Mich fasziniert besonders der Bereich Rennrad, Bikepacking sowie der Lifestyle rund ums Fahrrad – inklusive Fahrradmode und technische Themen. Jedes Jahr unternehme ich eine Bikepacking-Tour mit meinem Rennrad. Insgesamt zieht mich die Kombination aus Rennradfahren und Fahrrad-Lifestyle sehr an.

 

Entstehung des Covers Entstehung des Covers
Entstehung des Covers Entstehung des Covers

Welche besondere Herausforderung gab es?

Eine besondere Herausforderung war, dass mir über das Buch nur der Titel bekannt war. Allerdings kann man das auch als Vorteil sehen, da man dadurch kreativ freier arbeiten kann. Abgesehen davon hatte ich keine größeren Schwierigkeiten.

 

Typisches Stilmerkmal auf diesem Cover?

Ja, man findet typische Merkmale meiner Arbeit wieder: stilisierte Charaktere und meine große Liebe zu Katzen und Vögeln. :)

 

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit – Traumprojekt?

Derzeit arbeite ich an einer Illustration für das Magazin Neue Narrative mit Business-Themen. Außerdem werde ich für ein neu startendes Magazin viele Illustrationen erstellen, über das ich noch nicht zu viele Details verraten kann. Mein Traumprojekt wäre es, einmal für ein großes internationales Magazin zu illustrieren – bisher hatte ich dazu noch keine Gelegenheit, vielleicht gelingt es mir 2026. :)

 

Wenn Sie das Cover in drei Worten beschreiben müssten?

Kaffee, Fahrrad, Freundschaft und Lifestyle.

Das Gespräch mit Soner Aktas zeigt, dass hinter einem illustrativen Motiv oft mehr steckt als eine schöne Gestaltung: kleine Beobachtungen, persönliche Erinnerungen, spielerische Ideen und ein Blick für die Geschichten im Alltag. Besonders schön ist, wie offen Soner Aktas erzählt, welche Freude ihm das Zeichnen von lebendigen Szenen bereitet und wie wichtig ihm die feinen Details sind – von der Katze auf dem Dach bis zur Szene im Café.

Sein Cover vereint genau diese Leichtigkeit und Wärme, die auch im Interview spürbar sind. Wir sagen Danke für die inspirierenden Einblicke und wünschen Soner Aktas weiterhin viele Projekte, bei denen er seinen charakteristischen Stil ausleben kann.

Autos – mi amore! Eine Liebeserklärung an die Welt des Automobils!

  • 10.09.2025

Wenn jemand wie Luca de Meo – einer der bekanntesten Spitzenmanager der Automobilbranche und Ex-CEO der Renault Group – ein Buch über Autos schreibt, dann darf man sicher sein: Es wird keine trockene Aufzählung technischer Daten, sondern eine leidenschaftliche Hommage.

Genau das ist „Autos – mi amore! Eine Reise durch die unglaubliche Welt des Automobils von A-Z“. Auf über 400 Seiten nimmt de Meo seine Leserinnen und Leser mit durch die faszinierende Geschichte des Automobils – von den ersten wackeligen Versuchen Carl Benz’ bis zu den modernen Visionen einer elektrischen Zukunft.

Inhalt: Mehr als nur ein Auto-Buch

Das Werk ist alphabetisch aufgebaut: Von A wie Abarth über M wie Musik  bis hin zu Z wie Zündschlüssel spannt sich der Bogen. Jede Marke, jede Geschichte und jede Anekdote wird lebendig erzählt.

  • Große Marken und Familiengeschichten: Fiat und die Dynastie der Agnellis, die Fusion zu Stellantis, aber auch Ferrari und Co.
  • Legenden der Automobilgeschichte: Filmautos, berühmte Rennwagen und die Helden der Straße.
  • Technische Meilensteine: Von den Erfindungen von Carl Benz über die Visionen Gottlieb Daimlers bis hin zu den kleinen, aber genialen Details, die das Autofahren revolutioniert haben.
  • Überraschende Perspektiven: Warum spielt das Auto bei Tim und Struppi eine besondere Rolle? Und was hat der Komponist Jean-Michel Jarre mit Autodesign zu tun?

Unterstützt wird de Meo von prominenten Stimmen wie Oliver Blume, Jean Alesi und Jacky Ickx, die ihre eigenen Erlebnisse und Gedanken zum Phänomen Auto beisteuern.

Über den Autor: Luca de Meo

Luca de Meo (1967 in Mailand) gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der internationalen Automobilbranche. Nach Stationen bei Renault, Toyota, Fiat, Volkswagen, Audi und Seat war er ab 2020 CEO der Renault Group. Bekannt ist er nicht nur als Manager, sondern auch als jemand, der die kulturelle und emotionale Dimension des Automobils betont. De Meo gilt als kreativer Stratege mit einem feinen Gespür für Markenidentität und Design.

Mit „Autos – mi amore!“ veröffentlicht er nun erstmals ein Buch, das seine berufliche Expertise mit seiner persönlichen Leidenschaft verbindet – eine Mischung aus Managerblick, Historikerinteresse und privater Autoliebe.

Luca de MeoLuca de Meo

Warum lesen?

„Autos – mi amore!“ ist kein klassisches Fachbuch für Technik-Fans, sondern ein emotionales, charmant geschriebenes Porträt der Automobilwelt. De Meo gelingt es, seine eigene Begeisterung auf die Lesenden zu übertragen – ganz gleich, ob man selbst eingefleischter Auto-Enthusiast ist oder einfach nur Lust auf spannende Geschichten hat.

Dieses Buch ist:

  • ein perfektes Geschenk für Auto-Fans,
  • ein unterhaltsamer Begleiter für alle, die mehr über die Kulturgeschichte des Automobils erfahren möchten,
  • und eine Einladung, die Welt auf vier Rädern mit neuen Augen zu sehen.
PressestimmenPressestimmen

Fazit

Mit „Autos – mi amore!“ zeigt Luca de Meo, dass das Auto weit mehr ist als nur ein Transportmittel. Es ist ein Symbol für Freiheit, Innovation und Emotion – und manchmal sogar ein Familienmitglied.

Ein Must-Read für alle, die Benzin (oder Strom) im Blut haben.

 

Wir sind dabei – Motorbuch Verlag auf dem 52. BELMOT-Oldtimer-Grand-Prix 2025

  • 29.07.2025

Der Countdown läuft: Vom 1. bis 3. August 2025 wird der Nürburgring erneut zum Treffpunkt für Liebhaber klassischer Fahrzeuge, Motorsport-Fans und Automobil-Enthusiasten – der 52. BELMOT-Oldtimer-Grand-Prix steht vor der Tür!

 

Und wir vom Motorbuch Verlag sind mittendrin.
Besuchen Sie uns an unserem Stand im Ausstellerbereich und entdecken Sie unsere Bücher rund um Klassiker, Technik, Motorsport und Automobilgeschichte.

Rennwagen fahren auf dem NürburgringRennwagen fahren auf dem Nürburgring

Ob legendäre Fahrer, historische Fahrzeuge oder faszinierende Technik – wir haben nicht nur die Geschichten, sondern auch die passenden Bücher dazu.

Auto steht vor dem NürburgringAuto steht vor dem Nürburgring

Vorbeikommen lohnt sich:

  • Stöbern Sie in unseren aktuellen Buch-Highlights
  • Entdecken Sie spannende Neuerscheinungen und Klassiker
  • Kommen Sie mit uns ins Gespräch

Wir freuen uns auf interessante Begegnungen, Benzingespräche – und auf Sie!

Bis bald auf dem Nürburgring!

Ihr Team vom Motorbuch Verlag

Schnellbestellung

Bitte geben Sie die Bestellnummer aus unserem Katalog ein.

Wird geladen …