Seit über 20 Jahren dokumentiert Dieter Lammersdorf mit unermüdlichem Einsatz die Oldtimermuseen im deutschsprachigen Raum. Für seine außergewöhnlichen Leistungen zur Bewahrung und öffentlichen Vermittlung der Fahrzeuggeschichte wird er 2026 vom Forum für Fahrzeuggeschichte (F-kubik) mit dem „Goldenen Kolben“ ausgezeichnet. Passend dazu erscheint im Februar die aktualisierte Neuauflage seines Museumsführers Museumstouren im Motorbuch-Verlag.
Dieter, du wirst 2026 vom Forum für Fahrzeuggeschichte mit dem Goldenen Kolben ausgezeichnet. Wie hast du von der Ehrung erfahren – und was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Als im Oktober das Telefon klingelte, war ich erst einmal völlig überrascht – denn mit dieser Auszeichnung hatte ich keineswegs gerechnet.
Der Goldene Kolben würdigt außergewöhnliche Leistungen zur Dokumentation der Fahrzeuggeschichte. Was bedeutet dir diese Auszeichnung persönlich?
Diese Auszeichnung ist für mich ein großer Ansporn, die Arbeit an Oldtimermuseen.de sowie das Schreiben von Artikeln und Büchern über die Oldtimermuseumslandschaft fortzusetzen.


Wenn du auf die bisherigen Preisträger blickst – wie fühlt es sich an, nun selbst Teil dieser Reihe zu sein?
Das Ganze fühlt sich für mich noch immer etwas surreal an. Mit Preisträgern wie z.B. Winfried Seidel – dem Erfinder und Organisator der Veterama sowie Betreiber des Museums Dr. Carl Benz in Ladenburg – kann ich mich kaum vergleichen.
Auch wenn Winfried und ich inzwischen befreundet sind, empfinde ich seine Leistungen für den Oldtimerbereich als weitaus bedeutender als meine eigenen. Nun mit ihm in einer Reihe genannt zu werden, habe ich ehrlich gesagt immer noch nicht vollständig begriffen und verarbeitet.
Deine Begeisterung für Oldtimer begann schon mit 17 Jahren. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem dich das Thema endgültig gepackt hat?
Das weiß ich tatsächlich noch ganz genau! Ein Freund und ich standen vor dem Haus meiner Eltern, als mein Cousin mit seinem Heinkelroller zu Besuch kam. Der Klang des Einzylinder-Viertaktmotors hat mich regelrecht umgehauen. Kurz darauf besaß ich meinen ersten Heinkelroller – und seitdem lebe ich irgendwie für die Oldtimerei.
Besonders die Nachkriegsfahrzeuge von Heinkel haben es dir angetan. Was fasziniert dich an dieser Marke bis heute?
Neben dem unverwechselbaren Klang des Einzylinder-Viertaktmotors fasziniert mich vor allem die durchdachte Technik der Fahrzeuge aus dem Hause Heinkel. Mit der Zeit lernte man diese Technik immer besser kennen – auch wenn ich natürlich bei Reparaturen und Restaurierungen auch Fehler gemacht habe. Doch das gehört dazu: Am meisten lernt man aus Fehlern, und am Ende habe ich sie immer wieder zum Laufen gebracht.
Du hast selbst restauriert, geschraubt und geforscht. Wie wichtig ist dir dieser praktische Bezug für deine publizistische Arbeit?
Ich glaube, dass ich die Fahrzeuge inzwischen recht gut kenne. Das hat mir das Schreiben über sie und ihre Entwicklungsgeschichte deutlich erleichtert. In den letzten Jahren sind so mehrere Artikel und drei Bücher zum Thema Heinkel entstanden.
2002 hast du deinen ersten Museumsführer veröffentlicht – damals noch im handschuhfachtauglichen Format. Was war dein ursprünglicher Antrieb für dieses Projekt?
Damals gab es im Wesentlichen nur Museumsbücher für das heimische Regal. Mir fehlte jedoch ein gut strukturierter Museumsführer fürs Handschuhfach oder den Tankrucksack. Auch wenn es sich etwas seltsam anhört – ich habe ihn dann eben selbst geschrieben.
Heute dokumentierst du über 500 Oldtimermuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wie hat sich die Museumslandschaft in den letzten 20 Jahren verändert?
Zum einen gibt es in Deutschland mittlerweile deutlich mehr Oldtimermuseen die bekannt sind – viele davon werden von Clubs betrieben, und auch einige Automobilfirmen haben sich auf ihre Wurzeln besonnen und eigene Firmenmuseen eröffnet.
Was macht für dich ein gutes Oldtimermuseum aus: die Größe der Sammlung, besondere Exponate oder das erzählerische Konzept?
Das ist nicht leicht zu beantworten. Als Liebhaber von Rollern und Kleinwagen freue ich mich natürlich immer, wenn ich solche Fahrzeuge in einem Museum entdecke. Ob groß oder klein – gerade die von Clubs geführten Museen haben ihren besonderen Charme.
Im Februar erscheint die aktualisierte Neuauflage von Museumstouren. Was dürfen Leserinnen und Leser in der neuen Ausgabe erwarten?
Das bewährte Konzept wurde selbstverständlich fortgeführt. Zwar wurden im vergangenen Jahr drei Museen geschlossen, gleichzeitig konnten jedoch fünf neue Museen aufgenommen werden.
Die Neuauflage enthält zusätzliche Museen und Geheimtipps Wie wählst du aus, was aufgenommen wird?
Hierfür gibt es grundsätzlich drei Kriterien: In der Sammlung müssen Fahrzeuge und/oder Motoren präsentiert werden. Zudem darf es sich nicht einfach um eine Anhäufung von Fahrzeugen in einer Garage oder Halle handeln, sondern um eine Ausstellung mit musealem Charakter.
Darüber hinaus muss der Sammler damit einverstanden sein, auf oldtimermuseen.de sowie im Buch veröffentlicht zu werden. Es gibt in Deutschland noch einige sehenswerte Sammlungen, bei denen die Besitzer jedoch nicht genannt werden möchten und deshalb auch im Buch und auf der Onlineplattform nicht erwähnt werden.


Wie aufwendig ist es, die Vielzahl an Informationen – von Eintrittspreisen bis Ausstellungsschwerpunkten – aktuell zu halten?
Dies ist ein schwieriges und zugleich sehr aufwendiges Unterfangen. Da ich jedoch regelmäßig per E-Mail mit den Museen in Kontakt stehe, erhalte ich die benötigten Informationen in den vielen Fällen direkt von dort.
Mit oldtimermuseen.de hast du dein über Jahrzehnte gesammeltes Wissen ins Digitale übertragen. Warum war dir dieser Schritt wichtig?
Die älteren Semester – und da schließe ich mich bewusst mit ein – bevorzugen häufig noch die gedruckte Ausgabe. Jüngere Oldtimerliebhaber greifen dagegen lieber digital auf die Informationen zu, sei es unterwegs auf dem Smartphone oder zur Tourenvorbereitung am PC oder Laptop.
Hinzu kommt, dass oldtimermuseen.de mit Google Maps gekoppelt ist und der Routenplaner so blitzschnell die Entfernung zum ausgewählten Museum sowie die passende Strecke anzeigt.
Seit dem Relaunch 2022 wurde die Website von über 500.000 Interessierten besucht. Was sagen dir diese Zahlen?
Da bei diesen Zahlen ausschließlich die tatsächlichen Besucher und keine Suchmaschinenzugriffe gezählt werden, zeigen sie mir, dass ich offenbar auf dem richtigen Weg bin. Sie machen mich stolz und motivieren mich, weiter an diesem Projekt zu arbeiten.
Welche Rolle spielt Orientierung für Oldtimer-Fans heute – gerade bei der Vielzahl an kleinen und großen Museen?
Ich glaube, dass mein Buch und die Homepage dazu beitragen, dass sich Oldtimerliebhaber in der Vielzahl der weniger bekannten Oldtimermuseen besser zurechtfinden – und genau jene für sich entdecken, die einen Besuch wirklich lohnen.


Du wirkst auch nach über 20 Jahren Arbeit an diesem Thema unermüdlich. Was treibt dich an?
Die vielen sehr positiven Reaktionen der Oldtimerliebhaber in den vergangenen Jahren, die mein Buch und die Homepage nutzen, sind für mich eine große Bestätigung. Eine ganz besondere Bedeutung hat jedoch die Auszeichnung mit dem Goldenen Kolben des F-kubik. Sie spornt mich enorm an – vor allem, wenn man einen Blick auf die bisherigen Preisträger wirft. In dieser Reihe genannt zu werden, ist für mich noch immer kaum zu begreifen und fühlt sich fast unwirklich an.
Geplant sind weitere Buchprojekte zu Museen in Österreich und der Schweiz. Was dürfen wir hier erwarten?
Am bewährten Konzept des Buches Museumstouren halte ich fest. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass insbesondere die vielen kleineren, weniger bekannten Museen dadurch mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Was wünschst du dir für die Zukunft der automobilen Erinnerungskultur?
Dass wir unseren Blick nicht ausschließlich auf die großen Museen richten, sondern uns bewusst auch den kleinen, feinen, oft von Clubs oder Privatpersonen geführten Museen widmen.


Und zum Abschluss: Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die sich für Fahrzeuggeschichte begeistern?
Schaut euch in den Museen und auf den zahlreichen Oldtimerveranstaltungen um, entdeckt euer Lieblingsfahrzeug und sucht den Austausch mit Gleichgesinnten in einem der vielen Clubs. Lasst euch dabei nicht entmutigen, wenn ihr dort überwiegend Oldtimerliebhaber älteren Semesters trefft – gerade hier erhaltet ihr in der Regel viele wertvolle Tipps und Erfahrungen aus erster Hand. Zudem bekommt ihr von den Clubmitgliedern häufig wichtige Informationen, wenn es um den Kauf eines Fahrzeugs und die Beschaffung der benötigten Ersatzteile und Reparaturen geht.
Der Goldene Kolben 2026 ist eine verdiente Anerkennung für jahrzehntelange Leidenschaft, akribische Recherche und den Wunsch, automobile Geschichte für alle zugänglich zu machen. Dieter Lammersdorf zeigt, wie viel Wirkung persönliches Engagement haben kann – im Buch, im Netz und vor Ort in den Museen. Mit der neuen Ausgabe von Museumstouren gibt er Oldtimerfans erneut einen verlässlichen Begleiter an die Hand.