Jagderzählungen eines Meisters: ‚Der Weg zum wahren Jäger‘ von Gert G. von Harling

  • 09.02.2026

Gert G. von Harling gehört zu den bekanntesten und mehrfach ausgezeichneten Jagdautoren Deutschlands. Mit mehr als 90 Buchveröffentlichungen, dem Kulturpreis des Deutschen Jagdschutzverbandes und dem internationalen Kunstpreis des CIC ist er eine prägende Stimme der Jagdliteratur – ein Autor, dessen Werke Generationen von Jägerinnen und Jägern inspiriert haben.

In seinem neuen Buch Der Weg zum wahren Jäger blickt er auf fast 70 Jahre gelebte Jagd zurück und teilt seine Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken darüber, was Jagd für ihn wirklich bedeutet: Ursprünglichkeit, der bewusste Verzicht auf moderne Technik und die Herausforderung, Wild mit Sinnen und körperlicher Fähigkeit zu überlisten. Kein Wunder, dass dieses Werk bereits als „Jagdbuch des Jahres“ ausgezeichnet wurde und den 1. Platz in der Kategorie Belletristik belegte.

Wir haben mit dem renommierten Autor über seine Philosophie des Waidwerks und die Erlebnisse hinter seinem neuen Buch gesprochen.

In Ihrem neuen Buch "Der Weg zum wahren Jäger" blicken Sie auf 70 Jahre Jagderfahrung zurück. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Da ich mein ganzes Leben lang und auf sämtlichen Kontinenten gejagt habe, kann ich eine Fülle von spannenden, auch lebensgefährlichen, stimmungsvollen und frustrierenden Begegnungen aufzählen. Besonders hat es mir ein alter Kudubulle mit einem abgebrochenen Horn in Namibia angetan. Ich habe ihn fast ein Jahr lang verfolgt, Strapazen und Entbehrungen auf mich genommen, viele andere stärkere Trophäenträger laufen lassen, bis ich ihn schließlich erlegte. Auch der über 24-Stunden lange Ansitz auf einem Baum, um einen Rothirsch zu überlisten ist mir unvergesslich, ebenso wie die unzähligen Nächte, die ich im Busch, in der Savanne und im Urwald verbringen durfte.

Sie sprechen sich bewusst gegen moderne Jagdtechnik aus - warum ist Ihnen das so wichtig?

Das möchte ich mit einem Bonmot von Oscar Wilde verdeutlichen: "Die Blume im Knopfloch ist das Einzige, was den modernen Menschen mit der Natur verbindet." Für die Jagd heißt das: Wir dürfen uns von den Ursprüngen nicht noch weiter entfernen, nicht immer mehr Technik verwenden, sondern wir müssen unsere Sinne schulen und wieder lernen, sie einzusetzen. Man darf nicht die Handikaps abschaffen, die den Sport ausmachen. Jagen wird sonst zu einem simplen, ja gefühlslosen Tötungsakt.

 

Gert G. von Harling mit seinem HundGert G. von Harling mit seinem Hund

Was macht für Sie einen "wahren Jäger" aus?

Jäger sein heißt Mensch sein in seiner ursprünglichen Form. Beim Jagen können wir zu unseren Wurzeln zurückkehren, wenn wir in uns hineinhorchen und das tun, dann sind wir "wahre" Jäger.

Halten wir uns doch unsere Entwicklungsgeschichte vor Augen. Mit der Jagd begann der Aufstieg des Menschen. Er musste das Wild genau kennen, seine Sinne einsetzen, um es zu überlisten. So entwickelte sich sein Verstand. Den wahren Jäger macht aus, Eins zu sein mit der Natur.

Die Erlegung eines Rehbockes nach anstrengender Pirsch bleibt in der Erinnerung, nicht der "kunstlose" Abschuss eines vom Jagdaufseher am Wildacker bestätigten Bockes vom Hochsitz aus. Nachts mit einem erleuchteten Display zu Schießen, ist simpel, am Tage Wild anzupirschen und über ein herkömmliches Absehen zu erlegen ist eine Herausforderung. Geht es darum, die Natur auf eigenen Sohlen, nicht durch das Fenster des Geländewagens zu erfühlen, einen Hirsch auf dreißig Gänge anzupirschen und zu erlegen, nicht mit einem weiten "Kunstschuss" zu töten, eine Rotte Sauen am Tage im Getreide anzugehen, nicht nachts durch die Luke einer isolierten Schlafkanzel zu beschießen, ist das wahres „Jagen“.

Einen Fuchs zu überlisten, bei klirrender Kälte auf Schrotschussentfernung heranzureizen, ist Jagd. Jungfüchse vor dem Bau zu liquidieren hat mit wahrem Jagen wenig gemein, verdient das Prädikat Wildbewirtschaftung. Wild bejagen und Wild bewirtschaften, kein feiner, ein grundlegender Unterschied. 

Buchcover von "der Weg zum wahren Jäger"Buchcover von "der Weg zum wahren Jäger"

Hat sich Ihre Sicht auf die Jagd im Laufe der Jahrzehnte verändert - und wenn ja, wie?

Jagd und Jäger haben sich seit meiner Jugendzeit enorm gewandelt. Die Devise lautet neuerdings: „Bequem, schnell und effektiv Beute machen“, möglichst keine Enthaltsamkeit oder Anstrengung. Die Jagd verkommt so zum Freizeitvergnügen, zu einer kurzweiligen Freiluft-Veranstaltung. Ich fürchte, mit der Jagd geht es so wie mit der großen Politik: Sie ist für viele zum Deal geworden. Aber man schmückt sich nicht damit, ein Jäger zu sein. Jäger ist man in seinem Inneren. Man prahlt nicht damit, weil man dazugehört. Ein wahrer Jäger zu sein ist eine Weltanschauung.   

Was möchten Sie jungen Jägerinnen und Jägern mit auf den Weg geben?

Zurück zur Natur und sich wieder auf alte Werte, auf die „Hohe Kunst des Jagens“, auf das „Edle Waidwerk“, auf die Kultur der Waidgerechtigkeit besinnen.

Einen guten Rotwein kann man aus einem Pappbecher trinken oder aus einem edlen Glas genießen. Für mich ist ein Pirschgang wie eine Seelenwäsche. Der Alltag mit seinen Problemen, die Politik mit ihren Wichtigkeiten und ihrer Aufgeblasenheit - all das, ich will es mit Reinhard Mey sagen, "wird so nichtig und klein."

 

Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Was erfüllt Sie mit besonderem Stolz oder Dankbarkeit?

Zum Stolz - da fällt mir nichts ein, aber ich bin voller Dankbarkeit, dass ich auf einem einsamen Waldgut groß werden und von Kindesbeinen an jagen durfte. Dass ich hervorragende jagdliche Vorbilder und stets gute Hunde hatte, empfinde ich ebenfalls als großes Glück - und dass die Jagd mein Lebensinhalt geworden ist, ebenfalls. 

 

Mit Der Weg zum wahren Jäger hat Gert G. von Harling erneut ein Meisterwerk der Jagdliteratur geschaffen. Das Buch vereint meisterhafte Jagderzählungen, tiefgründige Reflexionen über Waidwerk und die Philosophie eines konservativen, aber visionären Jägers. Für alle, die Jagd als Kunst verstehen, ist dieses Buch ein unverzichtbares Werk – und ein Zeugnis der Leidenschaft eines der meistgelesenen zeitgenössischen Jagdautoren Deutschlands.

Veröffentlicht in Angeln & Jagd

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